Geschichte

Die Geschichte der Gemeinde

 

Bei den drei Rachdorf- Orten Marienrachdorf, Freirachdorf und Brückrachdorf handelt es sich ebenso wie dei den -dorf-Orten im altbesiedelten Neuwieder Becken um frühe fränkische Siedlungen. Der ursprüngliche Name Marienrachdorfs war "Rachdorf", was bedeutet, dass das Dorf von einem Mann namens "Racho" gegründet wurde; zum Dorf des Racho.
Im Laufe der Jahrhunderte ist der Ortsname vielfach abgwandelt worden. Marienrachdorf wird mit den Formen Maroraychdorf 1321, Matraichdorff 1426, Marckrachdorff 1550, Marcktrachdorf 1513 als das an der Mark, an der Grenze liegende Rachdorf von Frei- und Brückrachdorf unterschieden. Dieser bald nicht mehr verstandene Zusatz wurde schließlich unter dem Einfluss der Marienpfarrkirche über Formen wie Mariae Rachdorf 1739 umgedeutet und verändert.
Der ursprüngliche Ortsname Rachdorf, erklärt auch, dass die Sage die sich im Laufe der Zeit über die Herkunft des Ortsnamen gebildet hat, nicht den Tatsachen entspricht. Nach dieser Legende soll der Name des Ortes aus der Rache, welche einen Frevler ereilte, der ein Marienbild schändete, gedeutet werden. Der älteste urkundliche Beleg für den Namen Rachdorf stammt aus dem Jahre 1190. Damals wird ein Rorich von Rechdorf erwähnt, der sich nach seinem Sitz in Freirachdorf nannte.
Landesherren des Gerichts und Kirchspiels Marienrachdorf waren die Herren von Isenburg, nach mancherlei Erbteilungen zuletzt die Grafen von Isenburg-Grenzau. Als diese ausstarben, kam Marienrachdorf 1664 zum kurtrierischen Amt Herschbach und mit diesem 1802 an Nassau.

1325 wird erstmals die Kirche von Rachdorf genannt. Der Westturm dieser frühen Kirche ist, wie aus der romanischen Bauart geschlossen werden kann, bis in unsere Zeit erhalten geblieben. Die Anfänge der bereits 1458 der hl. Maria geweihten Kirche sind jedoch lange vor 1325 anzusetzen. Nach seiner ganzen Anlage dürfte der Turm dem Dorf in alter Zeit als Wehrturm gedient haben.

Marienrachdorf hatte 1664 noch keine Schule, doch wird schon 1682 hier eine Schulmeisterin genannt. Rechner und Baumeister der Gemeinde war, wie in allen anderen Dörfern des Gerichts, ein j ährlich wechselnder Bürgermeister 1750 oder Vorsteher 1785.

Unterhalb von Marienrachdorf wird schon 1487 der große Ehrlichsweiher genannt, der nach 1827 wie auch der kleine Schafstallweiher auf dem Ehrlich trockengelegt und in Wiesen verwandelt wurde.

Wie bereits erwähnt, kam das Kirchspiel Marienrachdorf im Jahre 1802 als Teil des Amtes Herschbach von Kurtrier an Nassau. Das Amt Herschbach wurde 1817 mit dem Amt Selters zu einem Bezirk mit dem Sitz in Selters vereinigt. Zum Kirchspiel Marienrachdorf gehörten damals Marienrachdorf, Krümmel, Maroth, Trierischhausen, Sessenhausen mit Hof Kutscheid und Marienhausen.
Im Jahre 1837 wurde die Kirche von Marienrachdorf durch einen Neubau ersetzt. Der alte Wehrturm aus dem 12. Jahrhundert blieb erhalten, wobei der obere Teil klassizistisch erneuert wurde.
1866 kam das Kirchspiel Marienrachdorf an Preußen. Seit 1867 gehörte es zum neu gebildeten Unterwesterwaldkreis. Der noch bestehende Amtsbezirk Selters, dem auch Marienrachdorf angehörte, wurde 1865 aufgehoben.

In Marienrachdorf lebten 1637 = 4 Mann, 1683 = 15, 1723 = 26 Familien, 1785 = 37 Bürger in 36 Häusern. Das Dorf hatte 1787 = 175 Einwohner. Die Einwohnerzahl stieg von 298 in 60 Familien 1826 auf 335 in 82 Haushalten im Jahre 1892.
Zur weiteren Einwohnerzahlentwicklung: im Jahre 1905 zählte man 367 Einwohner. Von da an ist ein stetiges Anwachsen zu verzeichnen: 1939 = 431; 1950 = 555; 1961 = 635; 1982 = 780.
In dem Dorf mit der Pfarrkirche gab es schon 1539 einen Wirt, 1828 zählte man 4 Wirte, 3 Schuhmacher, 2 Schneider und je einen Schmied, Krämer, Musikant, Schön- und Blaufärber und Schreiner, doch war damals und noch lange hier die Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle.
Im 19. Jahrhundert gehörte Marienrachdorf zu den bekannten Landgänger-Orten. Die Landgänger bereisten ein ähnlich großes Gebiet wie die Hausierer, belieferten aber im Gegensatz zu diesen einen festen Kundenkreis.
Nach dem 2.Weltkrieg kam Marienrachdorf mit dem Unterwesterwaldkreis 1947 zum Land Rheinland-Pfalz.
Durch die Verwaltungsneugliederung wurde die Gemeinde Marienrachdorf im April 1972 Teil der Verbandsgemeinde Selters.
Seit dem 16.3.1974 gehört Marienrachdorf zum Großkreis Westerwald.

Im Jahre 1882 wurde Marienrachdorf durch die Eisenbahn erschlossen. Dies begünstigte den Quarzhitbergbau im Gebiet von Herschbach- Marienrachdorf- Freirachdorf. In Marienrachdorf wurde ab 1903 bis zum Jahre 1978 etwa 800000 t Quarzhit abgebaut. Nach weitgehender Erschöpfung der Vorräte stellte der letzte Grubenbetreiber die Fa. Didier, rekultivierte Fläche 1982 der Gemeinde als der Eigentümerin wieder zur Verfügung. Damit endete eine Jahrzehnte lange Epoche, in der viele Familien oftmals mit etwas Landwirtschaft im Nebenerwerb eine ausreichende Existenzgrundlage hatten. Nach wie vor wird in der Gemarkung intensiv Landwirtschaft betrieben, jedoch konzentriert sich dies auf  zwei Vollerwerbsbetreibe sowie einige Nebenerwerbsbetriebe. Von Bedeutung für die 503 ha. große Gemeinde ist die Forstwirtschaft. Zahlreiche Firmen und Branchen haben sich angesiedelt.

Das Dorfleben wird stark von den zahlreichen Vereinen geprägt. Seit 1998 gibt es im Dorf eine Dorfgemeinschaftshalle welches dieses noch verstärkt.

Durch das schöne Landschaftsbild und große Waldflächen kommen Wanderer besonders auf Ihre Kosten.

(Quelle: Bild und Textdokumentation  Gemeinde Marienrachdorf, Verbandsgemeinde Selters)